Erkundung der geheimnisvollen Halbinsel Tigáni (Südgriechenland)

Halbinsel Tigáni von Süden aus

Erkundung der geheimnisvollen Halbinsel Tigáni (Südgriechenland)

Home

Fotoschau

Satellitenbild und Landkarte


Satellitenbild südwestliche Mani mit Tigáni

Tigáni (Τηγάνι, sprich „Tijáni“) heißt auf deutsch „Pfannenstiel“ und ist eine entsprechend dem Namen geformte kleine Landzunge in Südgriechenland. Sie ragt aus dem Máni (Μάνη) genannten Mittelfinger der Halbinsel Peloponnes 1,5 Kilometer nördlich des Dorfs Stavrí (Σταυρή) in nordnordwestliche Richtung ins Mittelmeer hinaus und misst ca. 1 Kilometer in der Länge und nur etwa 200 Meter in der Breite. Die geografischen Koordinaten sind Nord 36.54241°, Ost 22.36641°. Damit liegt Tigáni südlicher als das nordafrikanische Tunis. Am südlichen, landeinwärts gelegenen Ende erhebt sich die Halbinsel nur einige Meter über den Meeresspiegel. Bei Westwind schwappt die Brandung über den "Pfannenstiel" hinweg. Das nördliche Kap steigt dagegen zu einem kleinen Hochplateau bis auf 48 Meter an und bricht senkrecht fast 40 Meter tief ins Meer ab.

Satellitenbild und Landkarte


Die zerklüftete und unwegsame Landschaft von Tigáni

Die langgestreckte Halbinsel bietet eine schroffe, lebensfeindliche und wasserlose Landschaft bestehend hauptsächlich aus Stein. Es gibt keinen einzigen Baum, keinen Schatten, nur Gräser, Sträucher, Flechten und im Frühling Blumen. Man fühlt sich an diesem magischen Ort verlassen wie nie zuvor und ahnt doch, dass es früher hier reges Leben gegeben haben muss.


Einer der rätselhaften Steinkreise

Im niedrigen landnahen Teil findet man zahlreiche mysteriöse, eindeutig von Menschenhand gefertigte Steinkreise mit Unterteilungen. Der Umfang der Kreise beträgt zwischen ca. 2 und 4 Meter. Über ihren Sinn an dieser unbewohnbaren Stelle habe ich lange gerätselt, bis ich das ausgezeichnete Buch von Patrick Leigh Fermor "Mani - Travels in the Southern Peloponnese" (Penguin Books, 1958) las und dort in Kapitel 7 die Auflösung fand: Es handelt sich um Auffangbecken für das Sammeln von Meeressalz. Fermor traf bei seiner Wanderung noch eine Frau mit ihrer Tochter, die vom Sammeln dieses Salzes extrem ärmlich lebten. Mit dieser Erklärung macht auch der Ort für die Steinkreise Sinn: Hier an der niedrigsten Stelle der Halbinsel lagern Gischt und Wellen Salzwasser in die Salzpfannen ab. Das Wasser versickert und verdunstet schnell und zurück bleibt das Salz. Fermor schreibt:

"In diesem unbarmherzigen Gleißen sammelten zwei zerlumpte, barfüßige Frauen, Mutter und Tochter, Salz in große Körbe aus Rohrgeflecht. Ihre Gesichter waren schwarz verbrannt von der Sonne und die Augenbrauen und das wirre Haar von der getrockneten Sole verklebt. Wie sie sagten arbeiten sie hier den ganzen Sommer und manchmal auch im Winter; sie schliefen in der Höhle neben der Kirche Odigitria, wo eine kleine Quelle brackigen Wassers war an der sie trinken und ihr Trockenbrot eintauchen konnten."


Reste der mächtigen Festungsmauer in Richtung Westen

Auf dem höher gelegenen nördlichen Hochplateau finden sich die Reste einer großen Festung, die von Türmen und einer starken Mauer gegen Süden und von einer hohen Klippe gegen Norden geschützt war. Die Mauer muss nach den enormen Massen noch vorhandener Bausteine zu schließen beeindruckend mächtig gewesen sein und scheint über weite Strecken doppelt angelegt. Natürliche Felsstufen sind perfekt für die Mauer genutzt und integriert.


Hier könnte der Eingang der Kirche gewesen sein

Im Zentrum der Burg steht auf einem gepflasterten kleinen Platz eine fein bearbeitete, ca. 1,6 Meter hohe Säule mit einem Durchmesser von ca 30 cm. Sie zeigt ein graviertes großes Kreuz. Viele reich verzierte steinerne Träger, Torschwellen und Säulenreste aus gleißend weißem Marmor zeugen von einem großzügig angelegten Gebäude, wahrscheinlich einer Kirche. Die bunte Mischung von Natursteinen, Marmor und dünnen gebrannten Tonziegeln als Baumaterial fällt ins Auge. Der zentrale Platz hat eine beherrschende Lage und bietet großartige Ausblicke auf das Taygétos-Gebirge, die Küstenlandschaft, Tigáni und das unendliche Meer. Eine enorme Weite, Wind, Wolken und Wetter überwältigen den einsamen Besucher. Er rätselt, wie sich in dieser schroffen, unwegsamen Landschaft Pferde und Menschen einer Festung bewegt haben können.


Eine der mysteriösen Wannen mit menschlichen Knochen

Direkt neben dem Säulenplatz entdeckt man eine rätselhafte geometrisch geordnete Ansammlung Dutzender gemauerter Wannen, die meisten messen nur ca. 60 mal 150 cm und sind etwa 80 cm tief, es gibt aber auch kleinere und wesentlich größere. Das Muster erinnert an einen übergroßen Setzkasten. Die Kammern sehen aus als seien sie früher unter dem Fußboden eines großen Gebäudes verborgen gewesen. Bei meinem ersten Besuch 1983 erschreckten mich zahlreiche menschliche Knochen und Schädel, die offen in diesen Abteilen lagen. Die Knochen sind bis auf kleinere Reste seitdem verschwunden. Ich nahm an, dass ich hier den Friedhof unter einer Kirche vor mir sah, auch wenn die Gräber mir von ihren Abmessungen etwas kurz erschienen. Patrick Leigh Fermor berichtet in seinem Máni-Buch die Erklärung der Salzsammlerin, nach der es sich bei diesen Kammern um Zisternen handelt, angeblich 365 Stück, für jeden Tag im Jahr eine. Für diese Deutung spricht sicher die dringende Notwendigkeit der Wasserversorgung einer großen Burg auf diesem wasserlosen heißen Felsen.


Goldene Ohrringe aus einem Grabfund in Tigáni

Über die Geschichte von Tigáni ist wenig bekannt. In den 1970er Jahren hat ein Team um den griechischen Archäologen Prof. Nikolaos Drandakis auf dem nördlichen Plateau Tigánis die Ruine einer großen Kirche ausgegraben und zahlreiche Grabstätten gefunden. Drandakis klassifizierte die Kirche als christliche Basilika aus früher byzantinischer Zeit. Einige wertvolle Grabfunde sind im Byzantinischen Museum in Athen ausgestellt: wunderschöne goldene und silberne Ohrringe, ein silberner Ring und Gürtelschließen aus Bronze. Sie sollen aus dem 5. - 6. Jahrhundert stammen.


Hohe Klippe am Nordende

Die Burgruine von Tigáni gilt als einer der möglichen Kandidaten für die von Forschern nicht sicher lokalisierte fränkische Festung "Grand Magne". Das anonyme historische Dokument "Chronik der Morea" aus dem frühen 14. Jahrhundert sagt über die Gründung dieser Festung durch den fränkischen Fürsten Wilhelm II. von Villehardouin im Jahr 1251:

"... Er begab sich nach Passava und von hier nach Magne. Hier fand er auf einem Vorgebirge einen steilen Felsen von horribilem Ansehen. Auf diesem ließ er ein Fort erbauen und benannte dasselbe mit dem Namen Maina. ..."

Gründliche Diskussion zur unklaren Lage der Festung Grand Magne von John Chapman (englisch)

Stelle aus dem Brockhaus-Werk "Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste" von 1866 (Uni Göttingen)


Beginn der Seite

Home

Fotoschau

Satellitenbild und Landkarte